Allgemein / Mittwoch, 09.07.2014

Historischer Sieg und brasilianische Wehmut

Auch am Vormittag nach dem geschichtsträchtigen Sieg von Belo Horizonte fehlen mir noch die Worte. Versuchen kann man es ja aber trotzdem: der neue Blog.

Chapeau! Ich habe Wiedergutmachung gefordert – und nach einem so nicht zu erwartenden fußballhistorischen Abend kann man festhalten: Wiedergutmachung mit diesem Sieg gelungen! 27 Stunden war ich am Ende unterwegs – doch für die gesehenen sieben Tore sollte sich jede Minute gelohnt haben.

Ganz ehrlich: einen derartigen Fußballabend habe ich in meiner (zugegeben noch nicht ganz so langen) Karriere noch nie erlebt. Es war ein Sieg, an den ich mich ein Leben lang erinnern werde, von dem ich meinen Kindern und meinen Enkelkindern erzählen werde. Das Medienticket für meinen Platz werde ich auf jeden Fall aufheben. Und natürlich freue ich mich nun umso mehr auf das Finale.

Eine kleine Randgeschichte: Da man als Reporter ja während der 90 Minuten den Spieltext schreiben und diesen pünktlich mit Schlusspfiff fertig haben muss, bereitet man sich natürlich entsprechend vor. Ich hatte mir beispielsweise einen Absatz vorüberlegt, in dem ich noch mal auf die Besonderheit des Datums eingehe: Am 8. Juli 1982 gewann Deutschland ja im anderen Jahrhundertspiel gegen Frankreich im Halbfinale mit 4:3. Am 8. Juli 1990 wurde Deutschland Weltmeister gegen Argentinien. Und jetzt eben dieser 8. Juli 2014.

Ein Sieg für die Geschichtsbücher

Warum ich das noch mal zum Besten gebe. Weil ich nicht ohne Stolz noch mal auf die Überschrift des Artikels hinweisen möchte, die ich bereits vor dem ersten Anpfiff vorempfunden hatte: „Ein Sieg für die Geschichtsbücher“. Reporterglück!

Bei so viel Glück an nur einem Abend will ich aber an dieser Stelle auch kurz auf die Pechvögel eingehen. Denn ganz ehrlich: so sehr ich mich natürlich für die Deutschen gefreut habe, so sehr taten mir dann auch meine Brasilianer leid. Denn eine derart epochale Niederlage haben sie nicht verdient, denke ich. Brasilien ist nicht nur mein Lieblingsland und meine gefühlte zweite Heimat des Herzens. Brasilien ist und bleibt auch die eigentliche Mutternation des Fußballs schlechthin. Und diese Fußballnation, die während dieser überragenden und aus meiner Sicht besten Weltmeisterschaft aller Zeiten den Menschen so viel Freude bereitet hat, hatte dieses historische Debakel ganz einfach nicht verdient. Man kann in einem Halbfinale gegen Deutschland 1:2 verlieren, auch 1:3 oder an einem verflucht schlechten Tag 1:4. Aber 1:7? Das geht nicht.

Doch so bitter diese geschichtsträchtige Pleite aus brasilianischer Sicht auch war, so überragend war die Reaktion der Mehrheit danach. Die Brasilianer präsentierten sich als faire Verlierer, gratulierten zum Sieg und wünschten Deutschland alles Glück für das Finale. Insbesondere natürlich, wenn es tatsächlich gegen Erzfeind Argentinien gehen sollte. Dann würde das ganze Land, das sich am Dienstag in einer noch nie dagewesenen Art und Weise von Deutschland demütigen lassen musste, wie eine Nation hinter Deutschland stehen. Und genau darauf freue ich mich schon jetzt!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.